G+J-Rechtschreib-Kommission
zur Umsetzung
der neuen Regelungen
1.März 1999
Wir sind von zwei Überlegungen ausgegangen: Unsere zukünftigen Leser werden alle mit den neuen Regeln aufgewachsen sein und die für uns ungewohnten Schreibweisen als normal empfinden. Deshalb übernehmen wir - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - alle Regeln, die vom Jahr 2005 an verbindlich sein werden.
In den Fällen, in denen die Reform Wahlmöglichkeiten anbietet, wollen wir für unsere Leser das vertraute Schriftbild so weit wie möglich erhalten. Dies gilt vor allem für die Eindeutschung von Fremdwörtern aus dem Französischen. Wir sperren uns aber nicht gegen reformierte Varianten, wenn sie uns sinnvoll erscheinen.
Henri-Nannen-Journalistenschule in Zusammenarbeit mit den Redaktionen BRIGITTE, BRIGITTE YOUNG MISS, FLORA, GALA, GEO, SCHÖNER WOHNEN, STERN, TV TODAY
Beispiel:
Ballettänzer wird zu Balletttänzer
oder Ballett-Tänzer
Um die Lesbarkeit zu erleichtern, empfehlen wir den häufigen Gebrauch von Bindestrichen, was ausdrücklich erlaubt ist. Wenn drei Vokale aufeinandertreffen, ist der Bindestrich obligatorisch.
Beispiele:
Tee-Ei, Kaffee-Ersatz
Auch die Agenturen werden den Bindestrich setzen, wenn es der Lesbarkeit des Wortes dient.
Mit Bindestrich arbeiten wir auch bei Wörtern wie
Ich-Sucht, Ich-Form, Soll-Stärke
Dies ist nach den neuen Regeln erlaubt und lesefreundlicher.
Wir übernehmen ebenso wie die Agenturen die neuen Regelungen:
ss nach kurzem Vokal
Beispiele:
dass, Fass, sie muss, wässrig, Missverständnis
ß nach langem Vokal und Doppelvokal
Beispiele:
Straße, Fuß, Gruß, Fleiß, Spaß, draußen, in Maßen
Wir übernehmen die neuen Regeln bei den Wörtern:
frittieren, Karamell, Mopp, stopp, nummerieren, platzieren, Stepptanz, Stuckateur, Tipp, Tollpatsch
Wir folgen der Rechtschreibung auch bei den Wörtern:
Zierrat, Rohheit, Zähheit
AUSNAHME !!!
Wir übernehmen nicht "Plattitüde", sondern bleiben bei der nicht eingedeutschten zulässigen Variante "Platitude".
Die Agenturen bleiben auch bei "Platitude", haben sich aber auf "fritieren" in der alten Schreibweise geeinigt.
Beispiele:
Bändel, behände, belämmert, einbläuen, verbläuen, Gämse, Gräuel, Quäntchen, schnäuzen, Stängel
Auch wenn es weh tut, es sind hier keine Wahlmöglichkeiten gegeben. Da wo es sie gibt, bleiben wir bei der alten Schreibweise.
Beispiele:
aufwendig, Schenke, Schneewechte
Beispiele:
rau, Raureif, Känguru, Katarr, Myrre, Hämorriden, Panter, Tunfisch
Zwar sind hier in einigen Fällen Wahlmöglichkeiten gegeben (nicht bei rau und Känguru), doch halten wir hier eine konsequente Umsetzung für besser. Ohnehin bleiben Wörter wie Theater, Theorie, Thermometer etc. erhalten.
Die Agenturen belassen das "h" bei Katarrh, Myrrhe und Hämorrhoiden.
Ebenso folgen wir der Verwandlung von "ph" in "f", die sich zum Teil ja schon durchgesetzt hat.
Beispiele:
Fotograf, Geografie, Grafologe, Mikrofon, Delfin, fantastisch, Megafon, Orthografie, Saxofon
Die Agenturen gehen hier nicht konsequent vor. Sie schreiben z.B. Bibliographie, aber Biografie; Geographie, aber Kalligrafie (siehe dpa-Wörterliste). Konsequent zu sein, macht hier aber Sinn, denn die Vereinfachung von "ph" in "f" entspricht der Sprachentwicklung. Denken Sie an Photographie und Telephon!
Wörter wie Philosophie, Phänomen, Katastrophe etc. bleiben unangetastet.
AUSNAHMEN gestatten wir uns in zwei Fällen:
Joghurt und Spaghetti
Beide Wörter sollen ihr "h" behalten, da diese Bezeichnungen für uns den Charakter von Eigennamen haben. Erlaubt sind beide Varianten (mit und ohne "h")
Vor allem bei den Wörtern, die aus dem Französischen kommen, lassen die Regeln neben der eingedeutschten Variante auch die alte französische Schreibweise zu. Wir bleiben bei der uns vertrauten Variante.
Beispiele:
Bouclé, Kommuniqué, Chicorée, Exposé, Necessaire, Portemonnaie, Malaise, Facette
(erlaubt wären auch: Buklee, Kommunikee, Schikoree, Exposee, Fassette, Nessessär, Portmonee, Maläse)
Wir folgen der neuen Rechtschreibung bei der Verwandlung des wie "z" gesprochenen "t", wenn das Hauptwort mit "z" endet.
Beispiele:
essenziell (von Essenz)
potenziell, Potenzial (von Potenz)
existenziell (von Existenz)
substanziell (von Substanz)
Erlaubt wäre auch die alte Schreibweise (essentiell, potentiell etc.), doch finden wir hier die Veränderung sinnvoll, und auch die Agenturen übernehmen die Neuerung.
Es geht überwiegend um Begriffe aus dem Englischen. Die Kommission empfiehlt prinzipiell die Zusammenschreibung. Bei zwei Substantiven kann aber auch gekoppelt werden, bei der Kombination eines Substantivs mit einem Adjektiv oder Partizip darf auch getrennt geschrieben (oder gekoppelt) werden.
Beispiele:
Snowboard, Brainstorming (auch Brain-Storming), Cocktailparty (auch Cocktail-Party), Hotline (auch Hot Line), Freejazz (auch Free Jazz), Swimmingpool (auch Swimming-Pool), Drive-in-Restaurant, Walkie-Talkie, Sit-in, Make-up, Dutyfreeshop (auch Duty-free-Shop)
Wir empfehlen den Redaktionen, bei den Schreibweisen zu bleiben, die sie bisher verwenden. Eine Vereinheitlichung wird und muss es hier nicht geben. Allenfalls kann bei der Gelegenheit jede Redaktion überprüfen, ob sich ihre Schreibweisen mit den erlaubten Regeln decken und ob innerhalb der Redaktion Einheitlichkeit herrscht.
Beispiele für die Schreibweise der Agenturen entnehmen Sie bitte der dpa-Wörterliste.
Hier entfaltet sich die Reform zu voller Blüte. Grundsätzlich wird viel mehr getrennt geschrieben als bisher. Es gibt aber Ausnahmeregelungen, die schlicht gelernt werden müssen (und die hier nicht in allen Feinheiten erklärt werden können).
Wahlmöglichkeiten gibt es nur für eine bestimmt Wortgruppe. Man sollte sich entscheiden, ob man künftig schreiben will:
außerstande sein oder außer Stande sein
infrage stellen oder in Frage stellen
zugrunde legen oder zu Grunde legen
zumute sein oder zu Mute sein
zutage fördern oder zu Tage fördern
zunutze machen oder zu Nutze machen
zuleide tun oder zu Leide tun
Wir empfehlen die auseinander gezogene Variante, da sie dem Trend des häufigeren Getrenntschreibens entgegenkommt. Auch die Agenturen werden so verfahren.
Im einzelnen muss man sich merken, dass getrennt geschrieben werden
Substantiv + Verb
Beispiele:
Angst haben, Rad fahren, Eis laufen, Fuß fassen, Not leiden, Pleite gehen, Schlange stehen.
(Ausnahmen sind z.B.: schlussfolgern, maßregeln, handhaben, wetteifern, teilnehmen, irreführen, stattfinden, heimfahren, preisgeben)
Adjektiv + Verb
Beispiele:
hell strahlen, fern fliegen, genau nehmen, fertig stellen, müßig gehen, übrig bleiben
(Ausnahmen sind z.B.: bereithalten, bloßstellen, fremdgehen, hochrechnen, schwarzarbeiten)
Verb + Verb
Beispiele:
baden gehen, bestehen bleiben, fallen lassen, flöten gehen, gehen lassen, kennen lernen, sitzen bleiben
Partizip + Verb
Beispiele:
gefangen nehmen, übrig bleiben
Adverb + Verb
Beispiele:
abhanden kommen, beiseite legen, überhand nehmen, aneinander denken, auseinander gehen, abwärts steigen, rückwärts fahren
Verbindungen mit "sein" gelten als Wortgruppe und werden ohne Ausnahme getrennt geschrieben:
Beispiele:
an sein, aus sein, beisammen sein, da sein, fertig sein, hier sein, vorbei sein
Bestimmte Verbindungen mit Präposition und Substantiv können nur getrennt geschrieben werden.
Beispiele:
in Kraft, unter der Hand, zu Ende, zu Fuß, zu guter Letzt, zu Hilfe, zur Not
Zusammengeschrieben werden Wörter, die ein Substantiv enthalten, das in seiner ursprünglichen Bedeutung verblasst ist.
Beispiele:
anhand, anstatt, beileibe, beiseite, beizeiten, infolge, inmitten, vonnöten, zufolge, zugute, zuliebe
Wahlmöglichkeiten gibt es bei Maßangaben.
Beispiele:
ein Viertelkilogramm oder ein viertel Kilogramm
ein Achtelliter oder ein achtel Liter
fünf Hundertstelsekunden oder fünf hundertstel Sekunden
Wegen der zu langen Wörter, die dabei entstehen können, empfiehlt sich die Getrenntschreibung.
Zusammenschreibung gilt auch, wenn eine Tätigkeit substantiviert wird.
Beispiele:
das Autofahren, das Eislaufen, das Unrechttun
Getrennt:
Wie viel Uhr ist es?
So weit kann niemand voraussehen.
So viel für heute.
ABER zusammen:
Soweit es mich betrifft, schlage ich vor...
Soviel ich weiß, werden alle mitmachen.
Ich habe das Geld erhalten, sodass ich jetzt mitbieten kann.
Getrennt:
irgend so ein, irgend so etwas
ABER zusammen:
irgendein, irgendwann, irgendetwas, irgendjemand
Nach den neuen Regeln kommt zwischen Ziffer und Wort ein Bindestrich
Beispiele:
3-Tonner, 5-mal, 100-prozentig, 2-zeilig,
17-jährig, 2/3-Mehrheit
Die Agenturen werden alle Ziffern von 1 bis 12 ausschreiben. Dem schließen wir uns an.
Beispiele:
Dreitonner, fünfmal, zweizeilig, sechsjährig
In Zusammensetzungen mit "Jahr" lassen wir - so wie die Agenturen - den Bindestrich weg (erlaubte Variante).
Beispiele:
in den 80er Jahren
die 68er Generation
der 41er Jahrgang
Die Reformer haben versucht, die vielen Sonderregelungen zu eliminieren, die häufige Fehlerquellen waren und für die es auch keine einleuchtende Begründung gab. Die Neuregelungen müssen gelernt werden. Wahlmöglichkeiten gibt es nur in einem einzigen Fall:
Adjektive in der zweiten Steigerungsstufe (Superlativ), die mit "aufs" oder "auf das" eine feste Verbindung eingehen, können groß- oder kleingeschrieben werden. Erkennbar sind diese Wendungen daran, dass man mit "wie" nach ihnen fragen kann. Wir empfehlen die Großschreibung.
Beispiele:
Ich wurde aufs Beste beraten / aufs beste beraten
Er wurde aufs Eindringlichste gewarnt / aufs eindringlichste
Sie wurde auf das Schärfste verurteilt / auf das schärfste
ABER:
Ich bin auf das Schlimmste gefasst
(Hier handelt es sich um ein substantivisch gebrauchtes Adjektiv, lässt sich nicht mit einer "wie-Frage" beantworten)
ACHTUNG !!!
Die Wörter "viel" und "wenig" werden auch in der substantivierten Form kleingeschrieben.
Beispiele:
Das wissen die wenigsten
Sie retteten das meiste
Heute ist noch mehreres geplant
Es gilt: Werden Wörter anderer Wortarten als Substantiv gebraucht, schreibt man sie groß.
Beispiele:
Dirk ist in seiner Klasse der Älteste.
Karriere ist das Einzige, was sie interessiert.
ABER: Wenn im Satz ein Substantiv enthalten ist, auf das Bezug genommen wird, dann gilt Kleinschreibung.
Beispiele:
Der älteste von den Schülern in seiner Klasse ist Dirk.
Die jüngste Schwester ist die einzige, die noch zur Schule geht.
Feste Begriffe, in denen die Hauptwörter nach den neuen Regeln großgeschrieben werden, sind:
in Bezug auf; das tut mir Leid; das macht mir Angst; er geht Pleite; Schuld haben; Recht/Un- recht haben; sein Eigen nennen; außer Acht lassen; in Acht nehmen
ABER:
In Verbindung mit "sein" gilt die Kleinschreibung:
Uns wurde angst und bang
Herr Meier ist pleite
Wer ist schuld?
Der Termin ist mir nicht recht
Tageszeiten schreiben sich groß, wenn sie durch ein Substantiv benannt werden.
Beispiele:
gestern Nacht
morgen Abend
heute Mittag
ABER:
vorgestern früh (früh ist kein Substantiv)
Wochentage schreiben sich nur dann klein, wenn sie nicht als Substantiv gebraucht werden:
dienstagabends
oder
dienstags abends
ABER:
Dienstagabend
Die folgende Liste zum Thema Groß-Schreibung ist dem Handbuch "DUDENtraining!" entnommen, das für Seminare der Schwäbisch Hall Training GmbH (Anschrift) in Zusammenarbeit mit der Duden-Redaktion erarbeitet wurde.
DIE NEUSCHREIBUNG IM ÜBERBLICK
Die folgende Liste führt die wichtigsten Wendungen auf, in denen neu großgeschrieben wird. Betroffen sind überwiegend Eigenschaftswörter (Adjektive). Es handelt sich um frühere Ausnahmen, die jetzt der Grundregel folgen. Damit wurden verschiedene Sonderregelungen beseitigt wie etwa
die Kleinschreibung in festen Wendungen (neu groß z.B.: sich über etwas im Klaren sein)
die Kleinschreibung bei übertragener Bedeutung (neu groß z.B.: Die Polizei tappt im Dunkeln.)
die Kleinschreibung in bestimmten Paarformeln (neu groß z.B.: Zu dem Fest kamen Jung und Alt.).
Die Liste ist nach typischen Kennzeichen der hautpwörtlichen Verwendung geordnet:
Ein bestimmtes Geschlechtswort (Artikel; der, die, das) geht voraus:
Dein Vater ist ganz der Alte geblieben.
Auch der Einzelne kann etwas tun.
Geld ist das Einzige, was ihn interessiert.
Sie war die Einzige, die davon wusste.
Er ist der Erste/Zweite usw./Letzte, der gekommen ist.
Diesen Auftrag bekommt nicht der Erstbeste/der erste Beste.
Wie das zu verstehen ist, zeigt das Folgende.
Das geht dich nicht das Geringste an.
Ich werde das Gleiche tun.
Bei diesem Geschäft würden wir den Kürzeren ziehen.
Das ist das Letzte, was ich tun würde.
Der Nächste, bitte!
Er hat das Menschenmögliche getan.
Ein kaltes Getränk ist jetzt genau das Richtige / ist jetzt das einzig Richtige.
Ute und die Übrigen kommen nach.
Über das Vorige müssen wir noch reden.
Das Schlimmste ist, dass er unzuverlässig ist.
Das Wichtigste ist, dass du ruhig bleibst.
Es ist das Beste, wenn du gehst. (Aber wie
bisher: Es ist am besten, wenn du gehst.)
Es ist das Einfachste, wenn du gehst./Es ist das
Klügste, wenn du gehst./Es ist das Sicherste, wenn du gehst.
Es ist das Gegebene, schnell zu handeln.
Sie hat uns alles des Langen und Breiten erklärt.
Er besucht mich des Öfteren.
Auf der Tagung wurde des Weiteren ein Beschluss gefasst.
Das bestimmte Geschlechtswort kann verschmolzen sein zu im, beim, ins, fürs usw.:
Sie ist im Allgemeinen guter Laune.
Die Kundengewinnung liegt im Argen.
Dabei ist im Besonderen der folgende Punkt zu beachten.
Die Ursache bleibt im Dunkeln./Die Polizei tappt im Dunkeln.
Ich erläutere das später im Einzelnen.
Das hatten wir nicht im Entferntesten beabsichtigt.
Wir gehen vor wie im Folgenden dargestellt.
Die Situation ist im Ganzen/im Großen und Ganzen zufrieden stellend.
Das interessiert mich nicht im Geringsten/im Mindesten.
Versuch es noch mal im Guten.
Ich bin mir darüber im Klaren.
Er gratulierte uns im Nachhinein.
Nach dem klärenden Gespräch war er mit sich im Reinen.
Wir sollten die Aktion im Stillen/im Geheimen vorbereiten.
Und im Übrigen ist mir das egal.
Er hat uns im Unklaren gelassen./Die wahre Zahl blieb im Unklaren.
Wir bedanken uns im Voraus/im Vorhinein.
Der Vertrag besteht im Wesentlichen aus den üblichen Vereinbarungen.
Der Vertrag regelt alles bis ins Einzelne / ins Kleinste.
Ich muss noch diesen Brief ins Reine schreiben. / Ich muss diese Angelegenheit ins Reine bringen./
Ich muss mit mir ins Reine kommen.
Er versucht, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen.
Die Kosten steigen ins Unabsehbare/ins Unermessliche.
Finanziell können wir aus dem Vollen schöpfen.
Bist du auf dem Laufenden?
Nach diesem Verlust sitzt er finanziell auf dem Trockenen.
Das läuft aufs Gleiche hinaus.
Versuchen wir es aufs Neue.
Das reicht fürs Erste.
Warum können wir nicht alles beim Alten lassen?
Mit unserem Umsatz steht es nicht zum Besten.
Ein unbestimmtes Geschlechtswort (einer, eine, ein) geht voraus:
Dieser Betrag ist um ein Beträchtliches höher.
Es war ihm ein Leichtes, dieses Problem zu lösen.
Auf ein Neues!
Seine Situation war schlimm, und die Krankheit
hat ein Übriges getan.
Ein Fürwort (Pronomen) geht voraus:
Er hat sein Möglichstes getan.
Außer dir ist kein Einziger gekommen.
Er war schnell wie kein Zweiter.
Diese Stelle bekommt nicht jeder Beliebige.
Hier kann jeder Einzelne einen Beitrag leisten.
Davon ist jeder Zweite/jeder Dritte usw. betroffen.
Müllers gingen, alle Übrigen blieben noch.
Ein unbestimmtes Zahlwort wie alles, nichts, viel, wenig usw. geht voraus:
Diesen Punkt und alles Sonstige besprechen wir morgen.
Wir sprachen über alles Mögliche.
Alles Übrige ist bereits erledigt.
Das Wort als geht voraus und bringt eine Reihenfolge zum Ausdruck:
Er erreichte das Ziel als Einziger/als Erster/als Zweiter usw./als Letzter.
Das besprechen wir als Erstes/als Zweites usw./als Nächstes/als Letztes.
Martina ist als Nächste dran.
Wer war als Voriger dran?
Es gibt auch einige Wendungen, in denen der hauptwörtliche Gebrauch nur aus dem Satzzusammenhang erkennbar ist. Kennzeichen: Das Eigenschaftswort steht für sich allein (bezieht sich nicht auf ein Hauptwort) und man kann nach ihm mit wer? oder was? fragen.
Ich habe Ähnliches erlebt./Ich habe mit Ähnlichem Erfahrungen.
Wir brauchen Prospekte und Ähnliches (u.Ä.) oder Ähnliches (o.Ä.).
Dabei ist Folgendes zu beachten./Bei Folgendem müssen wir besonders aufpassen.
Nur Letzteres trifft zu.
Noch war Verschiedenes unklar.
Herr Müller und Herr Meier sind Kollegen. Während Ersterer in der Verwaltung arbeitet, ist Letzterer im Verkauf tätig.
Im Wahlkampf haben uns Unzählige unterstützt.
Gleich und Gleich gesellt sich gern.
Zu dem Fest kamen Jung und Alt / Groß und Klein / Arm und Reich.
Bisher galt: Alle Bestandteile eines Eigennamens, Titels oder eines festen Begriffs werden großgeschrieben:
Beispiele für Eigennamen:
Stiller Ozean, Breite Straße, der Alte Fritz, der Große Wagen (Sternbild), Statistisches Bundesamt, Weiße Flotte
Beispiele für feste Begriffe und Titel:
Heiliger Vater, Technischer Direktor, der Erste Mai, Erster Bürgermeister
Künftig soll laut Reform konsequenter unterschieden werden, was kein
Eigenname ist und dementsprechend kleingeschrieben wird.
Beispiele:
das schwarze Brett, der weiße Tod, erste Hilfe, die gelbe Karte, schwarze Magie, schwarzer Peter
Wir empfehlen: Nicht die Kleinschreibung zu verwenden bei Formulierungen, die sich als feste Begriffe etabliert haben. Zum Beispiel: das Schwarze Brett. Da dieses auch weiß sein kann, handelt es sich beim Schwarzen Brett um einen eingeführten festen Begriff, der in seiner übertragenen Bedeutung einem Eigennamen gleichkommt. Die Rechtschreibkommission sollte dies bei der geplanten Anpassung der Regeln an das allgemeine Sprachgefühl berücksichtigen. Das gilt auch für: Erste Hilfe, Weiße Magie, Rote Karte etc.
Auch die Agenturen werden solche festen Begriffe großschreiben.
Die Reformer halten es für eine Erleichterung, dass sie Kleinschreibung verordnen nach dem Muster "die platonischen Schriften", "die heineschen Reisebilder", "die darwinsche Evolutionstheorie".
Wir werden - ebenso wie die Agenturen - adjektivisch gebrauchte Personennamen zu einem Substantiv weiterhin großschreiben.
Beispiele:
das Ohmsche Gesetz,
Goethesche Gedichte,
die Grimmschen Märchen
Archimedischer Punkt
Potemkinsche Dörfer
Keplersche Lehre
Künftig darf "st" getrennt werden (Wes-te, Pflas-ter) und "ck" bleibt erhalten (Zu-cker, Mü-cke) ebenso wie "ß" (drau-ßen). Im übrigen wird nach Sprechsilben getrennt, wobei mehrere Möglichkeiten zur Wahl gestellt sind.
Beispiele:
Hyd-rau-lik oder Hy-drau-lik
Pub-li-ci-ty oder Pu-bli-ci-ty
Mag-net oder Ma-gnet
in-dust-ri-ell oder in-dus-tri-ell
Einzelne Vokale trennen wir grundsätzlich nicht ab, obwohl die Reform das erlauben würde (E-lan, Ü-ber-sicht).
Die Agenturen bleiben bei der alten Form der Zeichensetzung, um die Lesbarkeit ihrer Nachrichten, insbesondere für ihre Kunden aus dem Audio-Bereich, zu gewährleisten. Diese Option ist ausdrücklich zugelassen.
Wir empfehlen, genauso zu verfahren, insbesondere bei den Komma-Regeln das zu beherzigen, was das Institut für Deutsche Sprache in Mannheim rät:
"Zweckmäßig ist es, ein Komma zu setzen, wenn dadurch die Gliederung des Satzes verdeutlicht wird oder ein Missverständnis ausgeschlossen werden kann."
Analog zu "selbstbewusst", "selbstkritisch" und "selbstherrlich" empfiehlt die Kommission, künftig auch "selbstständig" zu schreiben. Sie lässt die freie Wahl, ob die alte oder die neue Schreibweise bevorzugt wird.
Wir empfehlen, bei der alten Schreibweise zu bleiben, da sich die neue Variante schlecht spricht und auch für das lesende Auge einen Stolperstein darstellt.
Allerdings haben sich die Agenturen - aus Analogiegründen - dazu entschlossen, die neue Schreibweise "selbstständig/Selbstständigkeit" zu übernehmen. Wer also viel mit Agenturtexten arbeitet, sollte sich dem vielleicht doch anschließen.
Der Vorstand von Gruner+Jahr möchte spätestens am 1.1.2000 komplett auf die neuen Schreibweisen umgestellt haben. Vorher soll eine Testphase laufen. Wir empfehlen, dass in jedem Fall die Tageszeitungen schon zum 1.8.1999 - gleichzeitig mit den Agenturen - umstellen, so wie alle anderen Zeitungen auch.
Schwäbisch Hall Training GmbH
Herrn Sigurd Maier
Postfach 10 06 10
74506 Schwäbisch Hall
Tel: 0791/46 69 91
Fax: 0791/46 26 50